Christliche Gemeinschaft

„Siehe wie fein und lieblich ist es, dass Christen einträchtig beieinander sind."

Psalm 133,1

Die Cornelius-Vereinigung (CoV) möchte eine Gemeinschaft von Christen sein.
Das ist schnell dahergesagt. Aber was bedeutet das genau? Was liegt diesem Wunsch zugrunde?

Ein Christ ist ein Mensch, der zu Jesus Christus gehört. Das Wort Gottes, das Vergebung, Gerechtigkeit und Seligkeit bringt, ist den Menschen gegeben und fordert sie heraus, mit Wort und Tat zu antworten. Dazu soll Gemeinschaft mit anderen Christen ermutigen und helfen.

„Er braucht den Bruder als Träger und Verkündiger des göttlichen Heilswortes. Er braucht den Bruder allein um Christi Willen. Der Christus im eigenen Herzen ist schwächer als der Christus im Worte des Bruders; jener ist ungewiss, dieser ist gewiss. Damit ist das Ziel aller Gemeinschaft der Christen deutlich: sie begegnen einander als Bringer der Heilsbotschaft. Als solche lässt Gott sie zusammenkommen und schenkt ihnen Gemeinschaft. Allein durch Jesus Christus und die ‚fremde Gerechtigkeit’ ist ihre Gemeinschaft begründet.“

Bonhoeffer, a.a.O. S. 19f

Menschen leben in Unfrieden mit Gott und anderen Menschen. Sie selbst können den jeweiligen Frieden nicht durch noch so vernunftgeleitetes und altruistisches Handeln herbeiführen.

„Christus hat den Weg zu Gott und zum Bruder freigemacht. Nun können Christen miteinander in Frieden leben, sie können einander lieben und dienen, sie können eins werden. Aber sie können es auch fortan nur durch Jesus Christus hindurch. Nur in Jesus Christus sind wir eins, nur durch ihn sind wir miteinander verbunden. Er bleibt in Ewigkeit der einzige Mittler.“

Bonhoeffer, a.a.O. S. 20

Jesus Christus ist wahrer Mensch und wahrer Gott.
ER liebt uns und hat uns angenommen. Durch diese Gnade sind wir in ihm und durch ihn erlöst zum ewigen Leben hin.

„Wo er ist, sind wir auch, in der Menschwerdung, im Kreuz und in der Auferstehung. Darum nennt uns die Schrift den Leib Christi. Die wir hier in seiner Gemeinschaft leben, werden einst in ewiger Gemeinschaft bei ihm sein. Wer seinen Bruder ansieht, soll wissen, dass er ewig mit ihm vereinigt sein wird mit Jesus Christus. Christliche Gemeinschaft heißt Gemeinschaft durch und in Jesus Christus.“

Bonhoeffer, a.a.O. S. 20f

Weil Gott Gemeinschaft zwischen Christen schenkt, soll es den Menschen in solcher Gemeinschaft nicht in erster Linie um ihre persönlichen Bedürfnisse und um selbst erdachte Gemeinschaftserlebnisse gehen, seien sie noch so wohltuend. Dann liefe diese geschenkte Gemeinschaft Gefahr, zu einer ganz menschlich-weltlichen zu werden. Sie würde weniger sein, als sie sein kann und soll. Der Rahmen für das, was christliche Gemeinschaft ausmacht, ist durch den vorgegeben, der sie geschenkt hat: Jesus Christus!

„Wer sich das Bild einer Gemeinschaft erträumt, der fordert von Gott, von dem Anderen und von sich selbst die Erfüllung. Er tritt als Fordernder in die Gemeinschaft der Christen, richtet sein eigenes Gesetz auf und richtet danach die Brüder und Gott selbst.“

Bonhoeffer, a.a.O. S. 24

Gott stiftete christliche Gemeinschaft bereits bevor wir existierten. Daher gilt es „als die Dankenden und Empfangenden in das gemeinsame Leben mit anderen Christen“ einzutreten. Im Nächsten, im Bruder begegnen wir Christus selbst! Wenn dies die Grundlage christlicher Gemeinschaft ist, dann hat das Folgen für den Umgang miteinander. Fried- und liebevolle Begegnung mit Schwestern und Brüdern ist nicht selbstverständlich. Vielen ist sie durch innere und äußere Umstände versagt. In manchen Situationen, besonders im Einsatz, ist es schwer, sie zu pflegen.

„Der Gefangene, der Kranke, der Christ in Zerstreuung erkennt in der Nähe des christlichen Bruders ein leibliches Gnadenzeichen der Gegenwart des dreieinigen Gottes. Besucher und Besuchter erkennen in der Einsamkeit aneinander den Christus, der im Leibe gegenwärtig ist, sie empfangen und begegnen einander, wie man dem Herrn begegnet, in Ehrfurcht, in Demut und Freude. Sie nehmen voneinander den Segen als den Segen des Herrn Jesus Christus.“

Bonhoeffer, a.a.O. S. 17